Jugendstrafrecht

Strafrecht

Der Umgang mit Straftaten Jugendlicher und Heranwachsender ist im Jugendgerichtsgesetz (JGG) geregelt. Es regelt insbesondere den Ablauf des Strafverfahrens und die Folgen der Straftat.

Kinder unter 14 Jahren sind gemäß § 19 StGB immer schuldunfähig und können daher strafrechtlich nicht belangt werden.

Auf Jugendliche, die bei der Tat über 14, aber noch nicht 18 Jahre alt sind, findet das JGG immer Anwendung, § 1 JGG.

Bei Heranwachsenden, welche zur Tatzeit 18, aber noch nicht 21 Jahre alt sind, kann das Jugendstrafrecht, aber auch das Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommen. Entscheidend ist nach § 105 Abs. 1 JGG, ob die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters auch unter Berücksichtigung der Umweltbedingungen ergibt, dass er zur Zeit der Tat seiner sittlichen und geistigen Entwicklung nach noch einem Jugendlichen gleichstand, oder es sich nach der Art, den Umständen oder den Beweggründen der Tat um eine Jugendverfehlung handelt.

Die Frage der Anwendung des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende ist für jeden Einzelfall gesondert zu beurteilen. Mithilfe eines geschulten Verteidigers kann oft gewährleistet werden, dass zugunsten des Angeklagten das in seinen Rechtsfolgen oft als milder empfundene Jugendstrafrecht zur Anwendung gelangt.

Im Jugendstrafrecht existieren über die Strafprozessordnung hinaus weitere Einstellungsmöglichkeiten. So kann eine Einstellung wegen Geringfügigkeit nach § 45 Abs. 1 JGG i.V.m. § 153 StPO auch ohne Zustimmung des Gerichts durch die Staatsanwaltschaft erfolgen. Auch die Durchführung einer erzieherischen Maßnahme oder das Bemühen des Täters, einen Ausgleich mit dem Verletzten zu erreichen, können Gründe für die Einstellung des Verfahrens sein, § 45 Abs. 2 JGG..

Wiederum ist es hierbei wichtig, frühzeitig Kontakt zu einem Strafverteidiger aufzunehmen. Er wird Ihnen helfen, die Voraussetzungen für eine frühzeitige Einstellung zu schaffen, wenn dies möglich ist. Dann muss es nicht zu einer belastenden Gerichtsverhandlung kommen.

Das Jugendstrafrecht zielt darauf ab, den Jugendlichen oder Heranwachsenden zu erziehen, nicht ihn zu bestrafen. Maßgeblich für die Wahl der Rechtsfolge ist daher die zu erwartende Wirkung auf den Täter.

Das JGG kennt folgende Sanktionen:

  • Erziehungsmaßregeln (= Weisungen und Anordnungen)
  • Zuchtmittel (= Verwarnung, Auflagen und Jugendarrest)
  • Jugendstrafe (= Freiheitsentziehung von 6 Monaten bis 10 Jahren)

Die schärfste Sanktion des JGG ist die Jugendstrafe. Voraussetzung für ihre Verhängung ist gemäß § 17 JGG die Schwere der Schuld oder eine „schädliche Neigung“. Ob eine solche vorliegt, bestimmt sich nach der Prognose, sob erhebliche Anlage- oder Erziehungsmängel die Gefahr begründen, dass der Täter ohne längere Gesamterziehung weitere Straftaten begehen wird. Bei der somit entscheidenden Frage, ob das Gericht schädliche Neigungen annimmt, kann Ihnen ein Strafrechtler mit Rat und Tat zur Seite stehen und so möglicherweise die Verhängung der Jugendstrafe abwenden.

Die Jugendstrafe kann – wie die Freiheitsstrafe im Erwachsenenstrafrecht - zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn sie nicht mehr als zwei Jahre beträgt und wenn zu erwarten ist, dass der Jugendliche sich schon die Verurteilung zur Warnung dienen lassen und auch ohne die Einwirkung des Strafvollzugs unter der erzieherischen Einwirkung in der Bewährungszeit künftig einen rechtschaffenen Lebenswandel führen wird.

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